Alken

Burg Thurant - Baumaßnahmen im 19. und frühen 20. Jahrhundert

 


[Rheinische Heimatpflege - 47. Jahrgang - 2/2010, Seite 115:]

 

[Abb.5: Ansicht der Burg von Südwesten, um 1907, Wohngebäude ohne Zinnen]
[Abb.6: Ansicht der Burg von Südwesten, um 1908, Wohngebäude und Anbau mit neuen Steildächern]

ße zweitürmige Schloss Thurant, ist nun auch dem Schicksal des Wiederaufbaus verfallen. Durch Kauf hat es ein Herr aus Köln erworben, der das Schloss zu herrschaftlichen Wohnungen ausbauen lässt." Von Laufenbergs Schwager Wilhelm Ewald, geboren 1878 in Köln und gestorben 1955 ebenda, studierte zunächst Theologie in Bonn, dann Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte in Innsbruck, wo er 1902 promoviert wurde. Ab 1903 begann er, wieder in Köln, als "Privatgelehrter" im Auftrage der "Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde" mit der Erstellung des sechsbändigen Corpuswerkes "Rheinische Siegel", dessen erster Band 1906 und dessen zweiter Band 1910 erschien. Von 1907 bis zu seiner Berufung als Museumsdirektor in Neuss im Jahre 1911 lebte Ewald als Privatgelehrter auf Burg Thurant.
Während von Laufenberg in Koblenz wohnte, wo er später als Rechtsanwalt tätig war, wurde Burg Thurant für Wilhelm Ewald, seine Frau Maria geb. von Laufenberg und die beiden kleinen Töchter zum ständigen Wohnsitz. Hierfür ließ er zügig das von Braun instandgesetzte zweigeschossige Wohnhaus um- und ausbauen: Ewald ließ den Zinnenabschluss abnehmen und dem Haus ein spitzes Dach aufsetzen. Der Innenausbau des Hauses wurde weitergeführt, so dass das Haus schließlich über acht Wohnräume und vier Mansarden verfügte. Durch einen neuen Innenputz, den Einbau einer Holztreppe und eine

[Abb.7: Wilhelm Ewald in seinem Arbeitsraum auf Burg Thurant]
[Abb.8: Grundriss Burg Thurant 1911]


[Rheinische Heimatpflege - 47. Jahrgang - 2/2010, Seite 116:]

[Abb.9: Marie Ewald vor dem Seitenflügel des Wohnbaus]
[Abb.10: Altar der Kapelle]

Verglasung der Fenster ließ Ewald den "Kölner Turm" als Aussichtsturm nutzbar machen.
In neueren Publikationen (Freckmann 1996 und Strickhausen-Bode 2005) wurde mit Recht kritisiert, dass der Aufbau des Herrenhauses und sein oberer Abschluss mit Flachdach und Zinnen "vom Historismus geprägt" und durch keinerlei Befunde abgesichert war. Es war Ewalds Initiative, die Außengestaltung des Hauses derart zu verändern, dass die Zinnen abgenommen wurden und das Haus ein schlichtes Satteldach erhielt. Dies geschah nicht erst im Zuge der späteren Baumaßnahmen unter Ernst Stahl für Robert Allmers. Die Bedeutung der Baumaßnahmen am "Herrenhaus" zwischen 1906 und 1911 liegt in der Tatsache, dass Ewald nicht mehr mit historisierenden Bauformen arbeitete, sondern dem Gebäude jenes aus funktionstechnischen Überlegungen herrührende Steildach gab. Die Verwendung von Fachwerk für den östlichen Giebel und den Durchgang zum Burggarten gaben den Gebäuden zudem eine regionaltypische Prägung. Zweifelsohne mögen auch Gedanken der Heimatschutzbewegung, die in jenen Jahren von der Provinzialdenkmalpflege und dem neu 1907 gegründeten Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz propagiert und gefördert wurden, eine Rolle gespielt haben. Es ist auch denkbar, dass Ewald bei den vorgenannten Baumaßnahmen von Ludwig Arntz unterstützt wurde, zu dessen Hauptanliegen die Restaurierung mittelalterlicher Baudenkmäler gehörte. Ewald und Arntz, die sich gegenseitig sehr schätzten, kannten sich über ihre Arbeit für Paul Clemen, in dessen Auftrag Ewald die Kölner Kirchen St. Aposteln, St. Kunibert und St. Georg inventarisierte. Noch Ende der zwanziger Jahre des 20. Jh. ließ Wilhelm Ewald nach Bauaufnahmen des damals schon recht betagten Ludwig Arntz Modelle von historischen Siedlungen und Einzelbauten für das "Rheinische Museum" (später umbenannt in "Haus der Rheinischen Heimat", den Vorläufer des Kölnischen Stadtmuseums) anfertigen und richtete dort 1941 eine "Gedenkausstellung für Ludwig Arntz" aus.
Eine weitere Besonderheit der Baumaßnahmen jener Zeit auf Thurant stellt der erdgeschossige Ausbau des verfallenen Kapellenbaus mit der dort neu wieder eingerichteten Kapelle dar. Drei leicht spitzbogige Fenster machen sie in der westlichen Burgmauer deutlich. Hier wurde ein kleiner Barockaltar des späten 18. Jh. aufgestellt, "aus einer alten Kirche", wie Langen in der Chronik angibt. Zwei Säulenpaare mit Sockeln und Kompositkapitellen fassen eine gemalte Darstellung des hl. Joseph mit dem Jesuskind ein. Der Giebelabschluss fehlt. Die geschwungene Altarmensa weist elegante Ornamentschnitzereien und in der Mitte eine Darstellung des göttlichen Lammes auf. Leider lässt sich nichts genaues über die Herkunft dieses Altares, der sich noch heute auf der Burg erhalten hat, sagen. Doch lassen sich Parallelen zum spätbarocken Altar der katholischen Pfarrkirche von Brachtendorf in der Eifel des Bildhauers Heinrich Alken aus

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