Alken

Burg Thurant - Baumaßnahmen im 19. und frühen 20. Jahrhundert

 


[Rheinische Heimatpflege - 47. Jahrgang - 2/2010, Seite 113:]

[Abb.2: August von Cohausen, Grundriss der Burg Thurant 1862]

zu Wied in den Jahren 1832-1834. Seine 1839 publizierten Aquatintabilder dieser Reisen zeigen den "Wilden Westen" Amerikas so, wie er damals wirklich war und sollen Karl May für seine Indianerliteratur beeinflusst haben. Carl Bodmers Ansicht von Alken mit Burg Thurant lässt die Burgruine auf steilem Felsen majestätisch über dem vieltürmigen Ortsbild mit einer Masse anonymer Häuser herrschen.
Nüchterner und wie ein Chronist gab August von Cohausen, preußischer Offizier und späterer Landeskonservator, im Jahre 1862 die Burg in einer Ansicht von Norden und im Grundriss wieder: Im Nord- und im Südteil der Burg standen die beiden 50 bzw 60 Fuß hohen Bergfriede. Sie markierten den ehemals Kölner Burgteil im Norden und den Trierer im Süden. An ihn schlossen die hoch aufragenden Mauern eines "Palasgebäudes" (bei Günther "Rittersaal" genannt) mit einem mächtigen Staffelgiebel und einem im 20. Jh. rekonstruierten Rundbogenfenster in der östlichen Außenwand an. Nach Westen folgte ein Mauerzug mit zwei Rundtürmen. Das "Pfalzgrafentor" bildete für den Kölner Teil den nördlichen Zugang vom Ort aus. Unmittelbar über der Westseite des Mauerberings, der Schauseite zum unterhalb liegenden Ort Alken, ragten die Reste eines Gebäudes auf, bei Günther bei Cohausen nüchtern als "Substructionen" bezeichnet. Es hatte eine 30 Fuß hohe nördliche Giebelwand. Der winkelförmige, heute noch bestehende Anbau, später auch "Herrenhaus" genannt, war damals in den Fundamenten und offenbar teilweise auch noch im aufgehenden Mauerwerk erhalten. Cohausen bezeichnete es 1862 als "Ruine eines kleinen Hauses". Den Zugang dieses Trierer Burgteiles bildete von Süden ein Torbau, der durch den ehemaligen Halsgraben gesichert wurde.
Die Burg mit ihrer länglich-ovalen Grundrissform und mit ihren beiden hoch aufragenden Bergfrieden wurde inzwischen immer mehr zum malerischen Requisit von Alken. Doch die Ruine, die aus der Ferne so romantisch und erhaben aussah, befand sich in einem Zustand äußersten Verfalls. Denn die Eigentümer, die Herren von Wiltberg, waren inzwischen so verarmt, dass ihnen jegliche Mittel zur Bauunterhaltung fehlten. So verkauften sie die Burgruine im Jahre 1884 an einen W. Braun (auch Bratin genannt), über dessen Person keine näheren Einzelheiten bekannt sind. Braun ließ erste Instandsetzungsarbeiten durchführen und baute das Wohnhaus wieder auf. Doch besaß er die Burg nur kurze Zeit. Er verkaufte sie weiter an die Bauunternehmung Hermann Fischer u. Cie in Köln. Dieser wiederum verkaufte sie 1886 für 20.000 Mark an den Kölner Immobilienmakler Philipp Grohs.
Ab 1884 wurden auf der Burg eine Reihe von Instandsetzungen und Aufbauarbeiten durchgeführt. Der Architekt dieser Bauarbeiten bleibt unbekannt:
- Die Burgmauer an der südwestlichen Talseite wurde in ganzer Länge repariert und erhielt teilweise einen oberen Abschluss mit Zinnen;

 


[Rheinische Heimatpflege - 47. Jahrgang - 2/2010, Seite 114:]

[Abb.3: Ansicht der Burg von Nordwesten, nach 1886, Wohngebäude und Burgmauer mit Zinnen]
[Abb.4: Ludwig Arntz, Ansicht der Burg von Nordwesten, 1894]

- das neben dem "Kapellenbau" liegende Wohngebäude wurde in zweigeschossiger Höhe aufgebaut. Dieser Neubau hatte eine Frontlänge zum Tal von zwei Doppelfenstern. Das Flachdach schloss mit einer Folge von Zinnen ab.
- auf beide Bergfriede wurden durch Braun achteckige Aufbauten aus Holz mit Spitzdächern aufgesetzt, die unter Grohs aber wieder demontiert wurden.
Dieser Zustand der Burg ist durch Fotos und Zeichnungen dokumentiert: Die Randbegrenzungen des Burggeländes werden durch die beiden Bergfriede markiert. Über einer stark egalisierten Oberkante der Mauer, die mit einer Folge von Zinnen besetzt ist, erheben sich die Giebelscheibe des Kapellenbaus und der kubische Wohnbau mit seinen Zinnen. Die Burgruine erscheint dadurch heroisch verfremdet. Sucht man nach Vorbildern für derartige Zinnenabschlüsse, lassen sie sich an zahlreichen Burgenausbauten des 19. Jh. am Rhein wie z.B. bei den Preußenburgen Sooneck und Stolzenfels, aber auch an den mittelalterlichen Stadttoren von Köln oder am Turm der Stiftskirche in Münstermaifeld finden.

Auch Ludwig Arntz, der nachmalige Dombaumeister in Straßburg, dokumentierte im Jahre 1894 Thurant in drei Blättern seines Skizzenbuches und zeichnete dabei die Westseite der Burg mit dem neuen zinnenbekrönten Wohnbau. Arntz, 1855 in Köln geboren und 1941 dort gestorben, war Regierungsbaumeister im preußischen Staatsdienst und hatte zu jener Zeit bereits eine große Anzahl Reiseskizzen von Baudenkmälern in zahlreichen europäischen Ländern angefertigt, als der preußische Provinzialkonservator Prof. Dr. Paul Clemen ihn mit der Anfertigung von Bauaufnahmen rheinischer Baudenkmäler betraute. Sein Skizzenbuch wird heute in der graphischen Sammlung der Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz aufbewahrt.
Im Jahre 1906 wurde Burg Thurant erneut verkauft: Für den Betrag von 26.500 Mark kam sie an Dr. Theodor von Laufenberg. Der neue Eigentümer der Burg, damals 24 Jahre alt und juristischer Referendar in Düren, der 1923 durch eine behördliche Berichtigung der Heiratsurkunde seiner Eltern dafür sorgte, dass seine Familie sich wieder "von" Laufenberg nennen durfte, war der Schwager des Kölner Historikers und späteren Museumsdirektors Prof. Wilhelm Ewald. Ewald stützte mit finanzieller Hilfe, vor allem aber mit einem hohen Darlehen seines vermögenden Vaters, Kauf und Ausbau der Burg. Dafür gewährte von Laufenberg seinem Schwager Ewald und dessen Frau ein notariell verbürgtes "lebenslängliches Wohnungsrecht" auf Thurant. Das später "Herrenhaus" genannte Wohnhaus wurde in einer zum Vertrag gehörenden Grundrisszeichnung der Burg als "Haus Ewald" ausgewiesen.
In der "Frankfurter Zeitung" wurden diese Fakten in einer Mitteilung vom 9.1 1.1906 folgendermaßen dargestellt: "Eine der schönsten Moselburgen, das auf der Höhe über Alken a. d. Mosel gelegene gro-

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